Veröffentlicht am: September 18, 2021 Autor: Dirk Wüstenhagen Kommentare: 1
Bundestagswahl 2021 Direktkandidaten

Teil 1: Die Direktkandidaten im Wahlkreis „Oberbergischer Kreis“ (99)

Im Wahlkreis 99 – Oberbergischer Kreis – hat die CDU auf personelle Kontinuität gesetzt und mit Dr. Carsten Brodesser den siegreichen Direktkandidaten der Bundestagswahl 2017 erneut nominiert. Der Diplom-Ökonom aus Lindlar hat vor vier Jahren den langjährigen CDU-Bundestagsabgeordneten Claus Peter Floßbach als Wahlkreiskandidaten der Christdemokraten beerbt und auf Anhieb den direkten Einzug in den neugewählten Bundestag geschafft. Auch in den kommenden Wahlperiode möchte der Christdemokrat, der mit seiner Frau seit 20 Jahren verheiratet und Vater zweier bereits erwachsener Kinder sowie eines 13-jährigen Nachzüglers ist, möchte die Interessen der Oberbergischen auch in der kommenden Wahlperiode vertreten.

Die sprichwörtliche Berliner Luft hat auch die Spitzenkandidatin der SPD Oberberg, Michaela Engelmeier geschnuppert. Die 59-jährige Sozialdemokratin hat zwischen 2013 und 2017 dem Bundestag als Abgeordnete angehört und das Amt der sportpolitischen Sprecherin der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion bekleidet. Die gebürtige Hagenerin ist seit 1993 Mitglied in der SPD Oberberg, seit 2004 gehört sie dem Vorstand an. Von 2004 bis 2020 hat dem Kreistag angehört; zudem ist sie stellvertretende Vorsitzende des SPD-Regionalverbandes Rheinland. Engelmeier ist jedoch nicht nur politisch erfolgreich und wehrhaft unterwegs; auch sportlich ist mit der Sozialdemokratin richtig Staat zu machen; als Judo-Sportlerin ist sie im Besitz des schwarzen Gürtels und mehrfach für die deutsche Judo-Nationalmannschaft nominiert worden. Bei der anstehenden Bundestagswahl bewirbt sich zum fünften Mal in Folge um die Erststimmen der Wahlberechtigten im Kreisgebiet. 

Mit dem Hückeswagener Jörg von Pohlheim haben die Liberalen im Oberbergischen Kreis erneut ihren bundespolitisch erfahrensten Politiker ins Rennen geschickt. Der 62-jährige hat bei der Bundestagwahl 2009 den Einzug in den Bundestag knapp verpasst, ist aber – nachdem sein Parteifreund Werner Hoyer die Präsidentschaft der Europäischen Investitionsbank übernommen und sein Bundestagsmandat hat aufgeben müssen – als Nächster auf der Reserve- bzw. Landesliste der FDP ins Parlament nachgerückt. 2013 – als die FDP an den Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist – ist auch für von Pohlheim das „Abenteuer Berlin“ beendet gewesen. Der Hückwagener hat sein Studium des Bauwesens als Diplom-Bauingenieur erfolgreich abgeschlossen und nahezu gleichzeitig eine Ausbildung zum Bäcker absolviert. Nach bestandener Meisterprüfung hat er den Beschluss gefasst, die elterliche Bäckerei zu übernehmen und die 187-jährige Tradition des Betriebes fortzuführen. Politisch sieht der mehrfache Vater und Großvater seine Aufgabe in Berlin unter anderem darin, neben der Wahrnehmung der Belange der Oberberger dafür Sorge zu tragen, dass die Interessen des Handwerks und seines Berufsstandes gestärkt werden und in der Bundespolitik mehr Berücksichtigung findet. 

Die Oberberger Bündnisgrünen sind ihrer Bundespartei in Sachen Spitzenkandidatin gefolgt und haben ihre Sprecherin, Sabine Grützmacher, als Wahlkreiskandidatin mit einem überzeugenden Ergebnis nominiert. Die 35-jährige Diplom-Sozialarbeiterin, die zudem ihren Master in Soziologie und Medienpädagogin absolviert hat, sieht ihre politischen Schwerpunkte in der Sozialpolitik; in Berlin möchte sie sich für ein eine Millionen Euro schweres Förderprogramm für bezahlbares Wohnen sowie eine faire Verteilung der Finanz- und Fördermittel einsetzen – vor allem mit Blick auf den ländlichen Raum. Mit Platz 25 hat die Gummersbacherin gute Aussichten, über die Landesliste der Bündnisgrünen den Sprung nach Berlin schaffen zu können.

Für die Freien Wähler hat sich Christoph Ablauf als Direktkandidat im Oberbergischen Kreis von seinen Parteifreunden ins Rennen um die Erststimmen schicken lassen. Der 30-jährige gebürtige Wipperfürther, der in Marienheide wohnt und lebt und beruflich als Vertriebsrepräsentant im Außendienst in NRW und auch anderen Bundeländern unterwegs ist, sieht seine politischen Schwerpunkte für Oberberg  in der Wiederaufforstung des Waldes und dem Bereich frühkindliche Förderung – von der Kita über die Schulen bis hin zur nicht zu akzeptierenden Schließung von immer mehr Schwimmbädern im Kreisgebiet. Bundespolitisch möchte sich Ablauf für eine weniger als bisher vernachlässigte Familienpolitik einsetzen und neben der E-Mobilität auch den Wasserstoff und andere alternative Antriebstechnologien seitens des Bundes gefördert wissen.

Mit dem Traumergebnis von 100 Prozent der abgegebenen Stimmen haben die Mitglieder des Oberberger Kreisverbandes der Partei „Die Linke“ ihren Direktkandidaten für die Bundestagswahl Diyar Agu  aufgestellt. Der 21-jährige gebürtige Gummersbacher, der an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen Wirtschaftsingenieurswesen und Maschinenbau studiert, ist bereits bei der Bundestagwahl vor vier Jahren der Wahlkreiskandidat der oberbergischen Linken gewesen. Der seinerzeit mit 17 Jahren deutschlandweit und parteiübergreifend jüngste Bewerber um ein Bundestagsmandat setzt sich für einen starken Sozialstaat ein, der die Corona-Pandemie bedingte Rezension abdämpft und eine Armutswelle im Land zu verhindern hilft. Auch plädiert Agu für die Abschaffung des Niedriglohnsektors sowie der Flexibilität des Arbeitsmarkts und die Rückkehr zu unbefristeten sozialversicherungspflichtigen Jobs und höherem Mindestlohn. Ein ökologischer Städtebau soll das Land ebenso nachhaltiger gestalten wie die Entwicklung von Energiespeichersystem sowie die konsequente Nutzung erneuerbarer Energien. Agu ist seit 2020 Vorsitzender der Fraktion der Linke im Rat der Stadt Gummersbach. 

Weiterhin bewerben sich im Bundestagswahlkreis Wahlkreis Oberbergischer Bernd Rummler (AfD), Philipp Ernst Wüster (DIE  PARTEI) und Markos Pavlidis (dieBASIS) und das zu vergebende Direktmandat.

Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren hat bei den Erststimmen Dr. Carsten Brodesser (CDU) mit 43,7 % (= 67.603 Stimmen) zwar im Wahlkreis die meisten Erststimmen auf sich vereinigen können, im Vergleich zu seinem Vorgänger Claus Peter Flosbach und dessen Ergebnis bei der Bundestagwahl 2013 allerdings einen Verlust von über acht Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 75,1 Prozent hinnehmen müssen. Die SPD-Kandidatin erreichte 26,7 Prozent (= 41.305 Stimmen), was gegenüber der 2013-er Wahl ein Minus von 3,5 % ausmachte. Beiden Erststimmen zulegen können haben demgegenüber vor vier Jahren die Bewerber von Bündnis 90/Die Grünen und zwar um ein Prozent von 5,1 (2013) auf 6,1 % = 9.489 Stimmen (2017) sowie der Partei „Die Linke“ , um 0,9 % von 4,1 (2013) auf 5,2% = 7.999 Stimmen (2017).  Auch die Liberalen haben zulegen können – nämlich um 5,7 % von 2,1 % (2013) auf 7,8 % = 12.123 Stimmen (2017). Mit einem Plus von 7,1 % hat die oberbergische AfD vor vier Jahren prozentual sogar den größten Zuwachs von 2,9 % (2013) auf 10,1 % = 15.648 Stimmen (2017) für sich verbuchen können. 

Bei den Zweitstimmen hat die CDU mit 36,5 % (= 56.567 Stimmen) 2017 gegenüber der Wahl von 2013 einen Verlust von 8,8 % zu beklagen gehabt und dennoch haben die oberbergischen Christdemokraten die Poolposition innegehabt. Die SPD erreichte 35.478 Zweitstimmen und somit 4,4 % weniger als bei der Wahl vier Jahre zuvor. Bündnis 90/Die Grünen haben gegenüber ihrem Ergebnis von 2013 nur leichte Einbußen hinnehmen müssen und zwar ein Minus von 0,5 % von 6,9 % (2013) auf 6,4 % = 9.995 Stimmen (2017). Zulegen können haben demgegenüber die Partei „Die Linke“ – um einen Prozentpunkt von 5,4 % (2013) auf 6,4 % = 9.887 Stimmen (2017). Den größten Zuwachs aller Parteien im Wahlkreis hat die FDP Oberberg verzeichnen können – nämlich um 8,1 % von 5,7 % (2013) auf 13,8 % = 21.353 Stimmen (2017); auch die AfD hat bei der Bundestagswahl vor vier Jahren ihren Stimmenanteil bei den Zweitstimmen nicht nur ausbauen, sondern geradezu verdoppeln  können – nämlich um 5,6 % von 5,0 % (2013) auf 10,6 %= 16.413 Stimmen). Piraten und NPD haben auf geringfügigem Niveau Stimmenverluste verzeichnen müssen.

Der Autor: Dirk Wüstenhagen, Politredakteur, bergisch4you

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