Veröffentlicht am: September 21, 2021 Autor: Dirk Wüstenhagen Kommentare: 0
Direktkandidaten bei der Bundestagswahl

Im Wahlkreis 102 – Wuppertal I. – haben die Sozialdemokraten bei Bundestagswahlen traditionsgemäß eher die Nase vorn. Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren ist der Wahlkreiskandidat der Wuppertaler SPD, Helge Lindh, seinen Mitbewerbern im Rennen um die Wählergunst enteilt und hat den Wahlkreis mit dem höchsten Erststimmenanteil gewinnen und direkt in den Bundestag als Abgeordneter einziehen können. Auch bei dem anstehenden Urnengang setzen die Wuppertaler Genossen ihr Vertrauen in den Sozialdemokrat; nicht ohne Grund ist Lindh von der Aufstellungsversammlung mit 95 % erneut zum Wahlkreiskandidaten gewählt worden. 

Die CDU in der Schwebebahnstadt hat Caroline Lünenschloss ihr Vertrauen ausgesprochen und sie als Wahlkreiskandidatin für die anstehende Bundestagswahl nominiert. Die 27-jährige, die zunächst eine Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin absolviert und danach das Studium der Wirtschaftswissenschaften mit dem Abschluss Bachelor of Arts erfolgreich gemeistert hat, ist beruflich als Assistentin der Geschäftsführung eines in Wuppertal ansässigen mittelständischen Familienunternehmens tätig. Politisch sitzt die Christdemokratin, die der Union seit elf Jahren angehört und Kreisvorsitzende der Jungen Union ist, nicht nur als Stadtverordnete der CDU im Wuppertaler Rat, sondern leitet seit dem Beginn der neuen Ratsperiode als Co-Fraktionsvorsitzende auch die Geschicke der CDU-Ratsfraktion. In den Bundestag möchte die ambitionierte Schwebebahnstädterin, weil sie sich für Wirtschaftsförderung, eine familien- und generationengerechte Stadtentwicklung, die immer auch die Nachhaltigkeit im Blick haben sollte, sowie für Umwelt- und Sozialpolitik stark machen und einsetzen möchte. Über die Reserve- bzw. Landesliste wird Lünenschloss mit Platz 44 wohl kaum in den neuen Bundestag einziehen können. 

Im Gegensatz zur Wuppertaler Union, die mit ihrer Spitzenkandidatin auf die Jugend gesetzt hat,  hat die FDP in der Schwebebahnstadt der politischen Erfahrung den Vorzug gegeben und mit Manfred Todtenhausen ein politisches Schwergewicht erneut als Wahlkreiskandidaten nominiert, dem wie kaum einem anderen der (Bundes-)Politikbetrieb in der Hauptstadt vertraut ist. Der Liberale, der von Beruf Elektroinstallateur-Meister ist und den elterlichen Betrieb geführt hat,    hat bereits zwei Mal dem Bundestag als Abgeordneter angehört: von Mai 2012 bis Oktober 2013, als für den Abgeordneten Paul Friedhoff, der sein Mandat aus privaten Gründen zurückgegeben hat, in den Bundestag nachgerückt ist, sowie von 2017 bis dato, wobei er vor vier Jahren mit Listenplatz 16 über die Landesliste den Sprung ins Parlament geschafft hat. In der zurückliegenden Wahlperiode ist er Obmann der Freien Demokraten im Petitionsausschuss und Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie gewesen. Zudem hat er als stellvertretendes Mitglied dem Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen sowie der Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ und mehreren Projektgruppen angehört. Darüber hinaus ist stellvertretender Vorsitzender der Parlamentariergruppe Östliches Afrika. Innerhalb der Bundestagsfraktion ist er Sprecher für Petitionen sowie Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaften Petitionen sowie Mittelstand und Handwerk gewesen. 

Für Wuppertals Bündnisgrüne bewirbt sich Anja Liebert als Wahlkreiskandidatin in der Schwebebahnstadt um das Direktmandat.

Der Wuppertaler Kreisverband der Partei „Die Linke“ wird im Tableau der Direktkandidaten von Till Sörensen-Siebel vertreten, dem die „soziale Frage“ besonders am Herzen liegt. 

Die AfD hat Martin Liedtke-Bentlage als Direktkandidat im Wahlkreis 102 aufgestellt; der Wuppertaler will seinen Focus auf die Gesundheitspolitik legen; eigenem Vernehmen nach möchte er sich als Abgeordneter in Berlin für die Aufstellung und Konzeption eines nachhaltigen nationalen Pandemiekonzeptes stark machen. 

Nuran Cakmali ist für die MLDP in der Schwebebahnstadt auf Stimmenfang unterwegs; für die Freien Wähler wirbt Hendrik Dahlmann als Wahlkreiskandidat in der heimlichen Hauptstadt des Bergischen Landes um die Erststimmen der Wahlberechtigten. Die Partei „DieBasis“ hat Alexander Grefrath als Spitzenmann und Wahlkreiskandidat im Wahlkreis 102 nominiert. Weitere Wahlkreiskandidaten, denen der Kreiswahlausschuss grünes Licht erteilt hat, sich um das Bundestagsmandat zu bewerben, sind Lars Herbold für die Partei Volt sowie Thomas Hofmann, der für „Die Partei“ möglichst viele Erststimmen auf sich vereinigen möchte. 

Der Bundestag – Foto: pixabay

Bei der Bundestagwahl vor vier Jahren hat der SPD-Kandidat Helge Lindh mit 46.657 Erststimmen (= 31,5 %) seine Mitbewerber auf die Plätze verweisen und mit dem Gewinn des Direktmandats den direkten Einzug in den Bundestag schaffen können. Die CDU und ihr damaliger Wahlkreiskandidat Rainer Spieker haben mit 43.814 Erststimmen (= 29,64 %) ihr Ziel, den direkten Sprung nach Berlin, denkbar knapp, um rund 3.000 Stimmen, verpasst und sich mit dem Silber-Rang zufrieden geben müssen. Auf dem Bronze-Platz ist die AfD gelandet, deren Kandidat 16.339 Erststimmen (= 11,4 %) auf sich vereinigen konnte. Die Partei „Die Linke“ hat zwar mit 13.120 Erststimmen (= 8,9 %) nur Platz 4 belegen, dafür aber FDP (12.910 Stimmen = 8,7 %) und Bündnis 90/Die Grünen (10.987 Stimmen = 7,4 %) schon auf Abstand halten können. Die Ergebnisse der Kandidaten von „die Partei“, „die Basis“, der „Freien Wähler“ und der MLPD sind lediglich marginalem Ausmaß gewesen.

Bei den Zweitstimmen hat die CDU im Vergleich zur Bundestagwahl 2013 herbe Verluste in Höhe von 6,5 % hinnehmen müssen, mit 39.341 Stimmen (= 26,5 %) haben die Christdemokraten die Wahl aber auf Platz Eins, knapp vor der SPD, die 36.996 Stimmen (= 26,0 %) ergattert hat, abschließen können. Die FDP ist mit 18.437 Stimmen (12,4 %) zur drittstärksten politischen Kraft „im Tal“ avanciert, während die AfD mit 16.431 Stimmen (= 11,1 %) den Urnengang vor der Partei „Die Linke“ (16.100 Stimmen = 10,8 %) und Bündnis 90/Die Grünen (12.754 Stimmen = 8,6 %) hat abschließen können. Auf den hinteren Rängen haben sich „Die Partei“ mit 1.504 Stimmen (= 1,0 %), die Freien Wähler mit 320 Stimmen (= 0,1 %), die MLPD mit 194 Stimmen (=0,1 %) sowie „die Basis“ (mit 0 Stimmen) wiedergefunden haben. 

Der Autor: Dirk Wüstenhagen, Politredakteur, bergisch4you
Titelbild: pixabay

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