Veröffentlicht am: September 20, 2021 Autor: Dirk Wüstenhagen Kommentare: 0
Wahllokal zur Bundestagswahl

Seit der Bundestagswahl 2009 sind die Karten im sogenannten gemischten Wahlkreis 103 – Solingen, Remscheid, Wuppertal-Cronenberg, Wuppertal-Ronsdorf klar verteilt. Erster Anwärter auf das Direktmandat ist Jürgen Hardt. Der Wuppertaler Christdemokrat, verheiratet und Vater einer Tochter, hat den Wahlkreis dreimal in Folge mit Abstand gewinnen können; und auch diesmal gilt der Schwebebahnstädter, der – bevor er 2009 das erste Mal als Abgeordnete direkt ins Hohe Haus in Berlin eingezogen ist – als Favorit für den direkten Einzug in den neuen Bundestag. Gelaufen ist die Partie für den ehemaligen Wuppertaler Stadtverordneten und CDU-Kreisvorsitzenden jedoch noch nicht, bleibt doch bis zum Wahltag abzuwarten, ob und inwieweit die eher schlechten Umfragewerte für die Union und ihren Kanzlerkandidaten Armin Laschet auf die Wahlkreisebene dergestalt durchschlagen werden, dass sich die Wähler im Wahlkreis diesmal in ihrer Mehrheit gegen den Wuppertaler aussprechen könnten. Hardt selbst ist  eigenen Verlautbarungen zufolge nach wie vor optimistisch; und dass nicht nur, was sein eigenes künftiges Schicksal als MdB anbelangt; auch hinsichtlich der CDU und der sogenannten „K-Frage“ erachtet Hardt das Rennen als völlig offen. In den zurückliegenden Wahlperioden ist der 58-jährige, der vor seinem Wechsel ins Berufspolitikertum die Unternehmenskommunikation eines in Wuppertal ansässigen namhaften, renommierten Haushaltsgeräteherstellers geleitet hat, zu einem politischen Schwergewicht in der Bundespolitik avanciert; so hat er in der zurückliegenden Wahlperiode das Amt des außenpolitischer Sprechers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bekleidet und ausgeführt.  

Hardts Mitbewerber von der SPD um das Direktmandat im Wahlkreis 103 ist Ingo Schäfer. Der 55-jährige Solinger, der verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter ist, hat bereits bei der Bundestagswahl vor vier Jahren als Wahlkreiskandidat der Sozialdemokraten gegen den Jürgen Hardt kandidiert und im Rennen um die Erststimmen der Wahlberechtigten im Wahlkreis den Kürzeren gezogen. Selbst in seiner Heimatstadt Solingen hat der gebürtige Klingenstädter, der seit 2018 stellvertretender Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Solingen und Vorstandsmitglied des SPD-Ortsvereins Solingen-West ist, dem Wuppertaler Christdemokraten den Vortritt lassen müssen. Dass der gelernte Betriebsschlosser, der seiner Lehre bei dem Solinger Unternehmen Kronprinz eine Ausbildung zum Feuerwehrmann und Rettungssanitäter hat folgen lassen und heute im gehobenen Dienst in diesem Beritt beruflich nach wie vor tätig ist, erneut für den Bundestag kandidiert, verdankt er den Solinger, Remscheider und Wuppertaler Genossen, die auf der Versammlung zur Aufstellung des Direktkandidaten sich – wenn auch knapp – mehrheitlich für ihn und gegen die Remscheider SPD-Frau Stefanie Bluth ausgesprochen haben. Als Mitglied des Bundestags will der Klingenstädter sich vor allem den Themen Arbeit, Gesundheit und Steuergerechtigkeit widmen. 

Die Bündnisgrünen aus dem bergischen Städtedreieck haben Silvia Vaeckenstedt für die Kandidatur um das Direktmandat nominiert. Die gebürtige Düsseldorferin, die seit 20 Jahren in Solingen lebt, ist verheiratet und Mutter eines Sohnes. Beruflich ist siebei der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach im Bereich für Menschen mit Schwerbehinderte tätig. Politik nennt die Bündnisgrüne, die zurzeit Co-Sprecherin des bündnisgrünen Kreisverbands Solingen ist, ebenso als ihr Hobby wie das Wandern. Als Bundestagsabgeordnete – soweit sie denn gewählt wird – möchte sie sich für mehr Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit einsetzen. Für das Ringen um die die Erststimmen der Wahlberechtigten im Wahlkreis 103 rechnet sie sich eigenem Bekunden nach durchaus Außenseiterchancen ein.

Shoan Vaisi heißt der Wahlkreiskandidat der Partei „Die Linken“ im Wahlkreis 103. Der 31-jährige gebürtige Iraner ist vor zehn Jahren als politischer Flüchtling nach Deutschland gekommen. Seit 2017 ist er im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft. Beruflich ist der Direktkandidat der Linken als Sozialarbeiter tätig. Als Bundestagsabgeordneter möchte er sich für eine humanere Migrationspolitik und mehr Akzeptanz einsetzten. Die Kandidatur des Esseners stößt in fast allen politischen Kreisen auf große Zustimmung und Anerkennung. Der sozialengagierte Politiker setzt sich bereits seit seiner Jugend politisch ein. Aufgrund seines Einsatzes für Frauenrechte musste er aus dem Iran fliehen.

Die bergischen Liberalen sind mit Dr. Robert Weindl ins Rennen um die Wählergunst in Solingen, Remscheid und den Wuppertaler Stadtteilen Ronsdorf und Cronenberg gestartet. Der Vorsitzende des FDP-Kreisverbandes in der Klingenstadt ist verheiratet, Vater einer erwachsenen Tochter und lebt seit 21 Jahren in der nach Wuppertal zweitgrößten bergischen Großstadt. Von Beruf ist der Liberale als niedergelassener Chirurg in der Klingenstadt tätig. Die Kommunalpolitik bezeichnet eigenem Vernehmen nach als Hobby. Im Urlaub fährt er zudem gerne Mountainbike und auch das Fliegenfischen ist eine Freizeitbeschäftigung, der er sich gerne hingibt. Mehr Umweltpolitik, sozialer Gerechtigkeit und das Schaffen von Rahmenbedingungen für gute Aufstiegschancen will er sich im Schwerpunkt widmen, sollte er als Abgeordneter in den nächsten Bundestag gewählt werden. Insgesamt rechnet der Mediziner mit einem starken Abschneiden der FDP, so dass die Liberalen bei der Bildung der kommenden Bundesregierung auf jeden Fall ein Wörtchen mitreden werden.

Für die AfD bewirbt sich Frederick Kühne im Wahlkreis 103 als Direktkandidat um das Ticket nach Berlin. Der 49-jährige ist Gründungsmitglied der AfD; zuvor hat er für die CDU lange Jahre als Stadtverordneter dem Rat der Stadt Solingen vertreten. Der Wahlkreiskandidat, der von den Mitgliedern mit 71 % das Vertrauen ausgesprochen bekommen hat, kritisiert die seiner Meinung nach völlig überzogene Lockdownpolitik der Bundesregierung während der Pandemie und die daraus entstandenen horrenden Staatsschulden sowie die Insolvenzen und die Arbeitslosigkeit. Für die Zukunft fordert er die Abschaffung aller Beschränkungen der Außengastronomie sowie die Aufgabe der Maskenpflicht. Des Weiteren moniert der AfD-Mann die seiner Auffassung nach gescheiterte ökosozialistische planwirtschaftliche Energiewende, die seiner Meinung zufolge zu den „höchsten Strompreisen der Welt“ geführt hat. Für Solingen will er als Abgeordneter in Berlin den Ausbau von Tempo-30-Zonen in ganzflächigen Stadtgebieten forcieren und ein ideologisches Verbot von ökologischen Dieselmotoren stoppen.

Als weitere Bewerber, die vom Kreiswahlausschuss Ende Juli als Kandidaten für die anstehende Bundestagswahl im Wahlkreis 103 zugelassen worden sind, haben ihren Hut in den Ring geworfen: Judith Röder (Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative, kurz Die PARTEI), Jan Klein (Freie Wähler), Hans Christoph Gärtner (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, kurz MLPD), Völker Dörner (Basisdemokratische Partei Deutschlands, kurz: dieBasis) sowie als Einzelbewerber Peter Heinrich Kramer.

2017 hat Jürgen Hardt (CDU) das Rennen um die Erststimmen im Wahlkreis 103 mit 61.871 Erststimmen (38,8 %) für sich entscheiden können, gefolgt von Ingo Schäfer (SPD) mit 49.863 Erststimmen (30,82 %). Als drittstärkster Kandidat hat Frederick Kühne (AfD) 15.303 Erststimmen (9,46 %) auf sich vereinigen und mit rund 4.000 Stimmen die damalige Kandidatin der FDP Karin von der Most, die 12.548 Erststimmen (7,76 %) erreicht hat, auf Abstand halten können. Hinter den Liberale sind sowohl der Bewerber der Linken, Adrian Scheffels, (10.505 Stimmen = 6,25 %) als auch die Kandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, Ilka Brehmer (9.403 Stimmen = 5,81 %) ins Ziel eingelaufen. Abgeschlagen auf den hinteren Rängen sind schließlich der Kandidat der PARTEI, Matthias Streib (2.403 Stimmen = 1,49 %) sowie die Spitzenfrau der MLPD, Gabriele Fechtner, gelandet. 

Knapper ist das Ergebnis bei den Zweistimmen ausgefallen. Die CDU hat mit 51.318 Stimmen (= 31,59 %) zwar erneut als stärkste politische Kraft abscheiden können, gegenüber der Bundestagswahl 2013 aber herbe Verluste hinnehmen müssen. Die SPD hat mit 40.743 Stimmen (= 25,08 %) nicht gerade eines ihrer besten Ergebnisse im Wahlkreis 103 verbuchen können. Bündnis 90/Die Grünen hat mit 11.726 erreichten Stimmen (7,22 %) sowohl den Linken, die 12.689 Stimmen (= 7,22 %) haben einheimsen können, als auch der AfD, die mit 16.221 Stimmen (= 9,98 %) als drittstärkste Kraft eingelaufen ist, die Ziellinie hat vor sich passieren lassen.

Der Autor: Dirk Wüstenhagen, Politredakteur, bergisch4you

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