Posted on: Mai 5, 2026 Posted by: Redaktion Comments: 0

Überarbeitet im August 2026: Der Umzug war denkbar kurz: vom bisherigen Standort im Haus 8 in die Halle 7 des TechnologieParks Bergisch Gladbach. Viel weiter mussten Möbel, Technik und Arbeitsplätze nicht getragen werden. Dennoch symbolisiert der Wechsel eine positive Entwicklung.

Mit StartRaum GL versuchen das Rheinisch-Bergische TechnologieZentrum, kurz RBTZ, und die Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderungsgesellschaft RBW, die Gründungsförderung in der Region neu aufzustellen. Es geht weiterhin um Beratung und Arbeitsplätze. Mindestens genauso wichtig sollen Kontakte zu anderen Gründenden, Unternehmen und Fachleuten werden.

Seit Sommer 2026 hat diese Idee in Halle 7 nun auch einen sichtbaren Ort.

Vom Gründerbüro zur gemeinsamen Arbeitsfläche

Wer ein Unternehmen gründet, braucht nicht zwangsläufig sofort ein eigenes Büro. Vielleicht fehlt zunächst jemand, mit dem sich eine Idee durchsprechen lässt. Oder der Kontakt zu einem Unternehmen, einem Förderprogramm oder einem Menschen, der dasselbe Problem schon einmal gelöst hat.

Genau darauf ist das Konzept in Halle 7 ausgerichtet. Neben klassischen Büros gibt es Shared Desks, gemeinsam nutzbare Flächen, Besprechungsmöglichkeiten sowie Räume für Workshops und Veranstaltungen. Hinzu kommt die Gründungs- und Start-up-Beratung.

Damit verändert sich auch die Rolle des TechnologieZentrums. Das RBTZ gibt es schließlich schon wesentlich länger als den Begriff StartRaum GL.

Seine Geschichte beginnt in den 1990er-Jahren. Nachdem Siemens Interatom den Standort in Bergisch Gladbach-Moitzfeld 1994 aufgegeben hatte, musste für ein großes ehemaliges Industriegelände eine neue Nutzung gefunden werden. Auf dem Areal entstand der TechnologiePark. Im Dezember 1994 wurde außerdem das Rheinisch-Bergische TechnologieZentrum gegründet, das insbesondere technologieorientierte junge Unternehmen unterstützen sollte.

Mehr als drei Jahrzehnte später ist das RBTZ noch da. Die Art, wie Gründungsförderung gedacht wird, hat sich verändert.

StartRaum GL verbindet RBTZ und Wirtschaftsförderung

Seit Mai 2025 treten RBTZ und RBW bei der Betreuung von Start-ups unter der gemeinsamen Dachmarke StartRaum GL auf.

Die Idee dahinter: Beratung, Räume, Veranstaltungen und Kontakte sollen nicht länger als einzelne Angebote nebeneinanderstehen. Gründungsinteressierte sollen an einer Stelle einsteigen können und von dort unkompliziert Zugang zu unterschiedlichen Ansprechpartnern und Netzwerken erhalten.

Die Beratung ist kostenfrei. Neben Fragen rund um Geschäftsmodell, Finanzierung oder Fördermöglichkeiten geht es unter anderem um Kontakte zu Mentoren, Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Workshops und Veranstaltungen ergänzen das Angebot.

KI, Biotechnologie und neue Geschäftsmodelle aus Rhein-Berg

2026 hat StartRaum GL begonnen, einzelne betreute Unternehmen öffentlich vorzustellen. Die Beispiele zeigen eine erstaunliche Bandbreite.

Die Codeligence GmbH aus Bergisch Gladbach entwickelt mit „dev-agents.ai“ einen KI-Agenten für Softwareteams. Das System soll Informationen über Programmcode direkt über Anwendungen wie Slack oder Microsoft Teams verfügbar machen.

Ein ganz anderes Feld bearbeitet Envalyx. Das ebenfalls in Bergisch Gladbach angesiedelte Deep-Tech-Start-up arbeitet im Bereich industrieller Biotechnologie und Enzymtechnologie.

Hinzu kommt beispielsweise die Revenite UG, die mit einem digitalen Angebot rund um berufliche Rückkehr und Kontakte arbeitet.

Damit wird sichtbar, worum es bei StartRaum GL auch geht: Unternehmen mit sehr unterschiedlichen Ideen sollen nicht erst nach Köln, Düsseldorf oder in eine der bekannten Start-up-Metropolen schauen müssen, um Kontakte und Unterstützung zu finden.

Ob daraus langfristig tatsächlich eine eigenständige Gründerszene im Rheinisch-Bergischen Kreis entsteht, wird sich erst zeigen. Die Voraussetzungen dafür werden jedenfalls ausgebaut.

Eine alte Papierfabrik wird zum Treffpunkt für neue Unternehmen

Interessanterweise beschränkt sich StartRaum GL dabei nicht auf den TechnologiePark.

Das Konzept sieht drei Standorte mit unterschiedlichen Funktionen vor. Der TechnologiePark in Bergisch Gladbach-Moitzfeld bleibt der klassische Standort für technologieorientierte Gründungen, Büros und Arbeitsplätze.

Auf dem ehemaligen Zanders-Areal in der Bergisch Gladbacher Innenstadt entsteht dagegen ein anderer Rahmen. Die alten Industriegebäude werden für Netzwerkveranstaltungen, Workshops und neue Veranstaltungsformate genutzt.

Das hat durchaus Symbolkraft: Dort, wo über viele Jahrzehnte Papier produziert wurde, treffen sich heute Menschen, die gerade erst überlegen, wie ihr zukünftiges Unternehmen aussehen könnte.

Als dritter Standort gehört das Rhombus-Areal in Wermelskirchen zum Konzept. Es wird als zukünftiger Ort für Innovation und Kreativität entwickelt.

StartRaum GL ist damit weniger ein einzelnes Gründerzentrum als der Versuch, mehrere Orte im Rheinisch-Bergischen Kreis miteinander zu verbinden.

Rund 100 Frauen bei „Founding HER Way“

Wie groß das Interesse an solchen Angeboten sein kann, zeigte sich im April 2026 auf dem Zanders-Areal.

Gemeinsam mit dem Bergischen Women’s Hub veranstaltete StartRaum GL dort „Founding HER Way“. Rund 100 Frauen kamen zu Vorträgen, Workshops und Gesprächen über Gründung und Selbstständigkeit. Die Veranstaltung war ausgebucht.

Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil Frauen bei Start-up-Gründungen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert sind. Ein regionales Angebot kann dieses grundsätzliche Problem natürlich nicht lösen. Es kann aber Kontakte schaffen, Erfahrungen sichtbar machen und den ersten Schritt in die Selbstständigkeit etwas weniger abstrakt werden lassen.

Schon das erste größere StartRaum-GL-Event im Sommer 2025 hatte mehr als 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammengebracht – vom Schüler bis zum Investor.

Offenbar gibt es also durchaus Bedarf nach einem Treffpunkt für die regionale Gründungsszene.

Wer gerade über eine Gründung nachdenkt, muss nicht bereits einen fertigen Businessplan oder ein Technologieunternehmen mitbringen.

Die RBW bietet grundsätzlich Beratung für Gründende an. StartRaum GL richtet sich insbesondere an innovative Gründungen und Start-ups. Interessant können dabei neben der Beratung vor allem die Kontakte sein: zu anderen Gründenden, erfahrenen Unternehmerinnen und Unternehmern, möglichen Mentoren oder Fachleuten für spezielle Fragen.

Wer lieber erst einmal zuhört, kann außerdem Workshops und Community-Veranstaltungen besuchen. Die Themen reichen von Geschäftsmodellen und Finanzierung bis zu Markenaufbau, Recht und Unternehmensentwicklung.

Die aktuellen Termine wechseln – deshalb lohnt sich hier der direkte Blick auf den Veranstaltungskalender von StartRaum GL.

Gründerszene im Bergischen – funktioniert das?

Köln liegt vor der Tür, Düsseldorf ist nicht weit. Wer ein technologieorientiertes Unternehmen gründet, könnte also durchaus fragen, warum ausgerechnet Bergisch Gladbach der richtige Standort sein sollte.

Vielleicht liegt die Antwort gerade nicht darin, mit den großen Start-up-Standorten konkurrieren zu wollen.

Der Rheinisch-Bergische Kreis verfügt über zahlreiche mittelständische Unternehmen, Industrie, Handwerk und Hochschulkontakte. Wenn es gelingt, junge Unternehmen stärker mit diesen bestehenden Strukturen zusammenzubringen, könnte daraus ein eigener Vorteil entstehen.

Die neuen Räume in Halle 7 allein werden darüber nicht entscheiden. Sie schaffen aber einen Ort, an dem solche Verbindungen überhaupt entstehen können.

Und manchmal beginnt eine Gründerszene tatsächlich genau so: mit einem Schreibtisch, einer Idee – und jemandem am Nebentisch, mit dem man darüber sprechen kann.