Zwischen Fitness-Trend und Trainingsklassiker: Was hinter Reformer Pilates steckt
Ein beweglicher Schlitten, Federn, Seilzüge und Schlaufen: Der Pilates Reformer fällt auf. Das Gerät taucht inzwischen in immer mehr Studios und Trainingsvideos auf, spezialisierte Angebote entstehen auch im Bergischen. Dabei reicht seine Geschichte weit zurück. Was unterscheidet Reformer Pilates vom Training auf der Matte – und warum ist die Trainingsform gerade jetzt so gefragt?
Wer zum ersten Mal vor einem Reformer steht, sieht zunächst eine ungewöhnliche Konstruktion. Auf einem Rahmen läuft ein gepolsterter Schlitten vor und zurück. Federn regulieren den Widerstand, Seilzüge und Schlaufen beziehen Arme oder Beine in die Übungen ein, eine Fußstange dient je nach Position als Stütze oder Widerlager.
Trainiert wird im Liegen, Sitzen, Knien und Stehen. Der Schlitten bewegt sich unter dem Körper, während Federn den Bewegungsablauf unterstützen oder zusätzlichen Widerstand erzeugen. Schon kleine Veränderungen der Position können eine Übung deutlich verändern.
Genau das macht den Reformer so vielseitig: Derselbe Grundaufbau lässt sich für sehr unterschiedliche Übungen und Belastungsstufen nutzen.
Ein aktueller Boom mit langer Vorgeschichte
Der Reformer gehört seit vielen Jahrzehnten zur Pilates-Methode. Seine Entwicklung geht auf Joseph Pilates zurück, der verschiedene Trainingsgeräte konzipierte, um seine Übungen durch Federwiderstände zu ergänzen.
Die aktuelle Aufmerksamkeit ist dagegen neu. Reformer-Studios eröffnen in zahlreichen Städten, Kurse werden über große Fitnessplattformen gebucht und in den sozialen Medien gehört das charakteristische Gerät inzwischen fest zum Bild moderner Pilates-Angebote.
Auch die Zahlen der internationalen Buchungsplattform ClassPass zeigen die wachsende Nachfrage. Pilates war dort 2025 zum dritten Mal in Folge die weltweit am häufigsten gebuchte Trainingsart. Die Zahl der Pilates-Buchungen stieg gegenüber dem Vorjahr um 66 Prozent, Reformer Pilates legte um 71 Prozent zu. Die Daten beziehen sich ausschließlich auf ClassPass-Nutzer und bilden deshalb einen bestimmten Teil des Fitnessmarktes ab. Sie geben dennoch einen deutlichen Hinweis auf die aktuelle Entwicklung.
Die Gründe für den Erfolg dürften vielfältig sein. Pilates hat sich in den vergangenen Jahren von einer eher spezialisierten Trainingsmethode zu einem festen Bestandteil des Fitnessangebots entwickelt. Gleichzeitig suchen viele Trainierende nach Formaten, die Muskelarbeit, Beweglichkeit und bewusste Bewegungsführung miteinander verbinden.
Der Reformer passt in diese Entwicklung. Und seine starke Präsenz in sozialen Medien verstärkt die Aufmerksamkeit zusätzlich.
Was unterscheidet den Reformer von Pilates auf der Matte?
Beim Matten-Pilates bildet das eigene Körpergewicht einen wesentlichen Teil des Widerstands. Auf dem Reformer kommen die bewegliche Unterlage und das Federsystem hinzu.
Diese Kombination verändert die Übungen. Die Federn können eine Bewegung begleiten und dadurch besser kontrollierbar machen. In einer anderen Position erhöhen sie den Widerstand und damit die muskuläre Anforderung. Gleichzeitig verlangt der bewegliche Schlitten bei vielen Übungen Stabilität und Koordination.
Eine Reformer-Stunde kann deshalb sehr unterschiedlich aussehen. Ruhige, langsam geführte Bewegungsabläufe sind ebenso möglich wie deutlich kraftorientiertere Sequenzen.
Matten- und Reformer-Pilates gehören zur gleichen Trainingsmethode, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. Der Reformer erweitert das Spektrum der Übungen und ermöglicht durch die variable Einstellung der Federn verschiedene Belastungsstufen.
Ruhige Bewegungen können durchaus anstrengend sein
Reformer Pilates lebt von kontrollierten Bewegungsabläufen. Tempo allein bestimmt dabei kaum die Intensität. Eine langsam ausgeführte Bewegung gegen den Widerstand der Federn kann die Muskulatur erheblich fordern.
Je nach Übung arbeiten Beine, Arme, Rücken und Gesäß, während die Körpermitte stabilisiert. Balance und Bewegungskoordination kommen bei vielen Positionen hinzu.
Gerade dieser Wechsel zwischen Bewegung und Stabilisierung prägt das Training. Der Schlitten reagiert unmittelbar auf Kraft, Tempo und Körperkontrolle. Eine unsaubere oder hastige Bewegung wird dadurch schnell spürbar.
Was sagt die Forschung?
Für Pilates insgesamt gibt es wissenschaftliche Untersuchungen zu verschiedenen körperlichen Effekten. Eine systematische Übersichtsarbeit fand Hinweise auf Verbesserungen unter anderem bei Flexibilität, dynamischer Balance und muskulärer Ausdauer. Die einbezogenen Studien unterschieden sich allerdings bei Teilnehmergruppen, Trainingsdauer und Methodik, was eine allgemeingültige Bewertung erschwert.
Speziell zu Reformer Pilates ist die Studienlage bislang überschaubarer.
Eine randomisierte kontrollierte Studie aus dem Jahr 2025 untersuchte 47 Frauen zwischen 30 und 60 Jahren mit Übergewicht oder Adipositas. Nach einem Reformer-Pilates-Programm zeigten sich Verbesserungen bei verschiedenen Kraft- und Ausdauerparametern sowie Veränderungen der Körperzusammensetzung. Aufgrund der kleinen und spezifischen Teilnehmergruppe lassen sich daraus vor allem Erkenntnisse für vergleichbare Gruppen ableiten.
Aus sportwissenschaftlicher Sicht lässt sich Reformer Pilates vor allem als vielseitige Trainingsform einordnen, bei der Muskelarbeit, Beweglichkeit, Koordination und die Kontrolle von Bewegungsabläufen zusammenkommen. Welche Effekte im individuellen Fall erreicht werden, hängt wie bei anderen Trainingsformen von Ausgangssituation, Häufigkeit, Intensität und Trainingsdauer ab.
Weshalb kleine Gruppen beim Einstieg sinnvoll sein können
Der Reformer bietet viele Möglichkeiten, verlangt zunächst aber auch Orientierung. Die Position des Körpers, die Wahl der Federn und die Einstellung des Geräts beeinflussen den Bewegungsablauf.
Für Einsteiger kann deshalb eine ausführliche Einführung hilfreich sein. In kleineren Gruppen haben Trainerinnen und Trainer zudem mehr Möglichkeiten, Bewegungen zu beobachten und Hinweise zur Ausführung zu geben.
Ein Blick auf die Qualifikation der Kursleitung ist ebenfalls sinnvoll. Die Berufsbezeichnung Pilates-Trainer oder Pilates-Trainerin ist in Deutschland gesetzlich nicht geschützt. Der Deutsche Pilates Verband hat deshalb eigene Ausbildungsstandards entwickelt und sieht für eine anerkannte Reformer-Ausbildung mindestens 100 Unterrichtseinheiten einschließlich Präsenzunterricht und Hospitation vor.
Bei akuten Verletzungen, Beschwerden oder relevanten Vorerkrankungen sollte vor Trainingsbeginn geklärt werden, welche Belastung individuell geeignet ist.
Reformer Pilates im Bergischen und in der Region
Auch rund um das Bergische Land gibt es inzwischen mehrere Möglichkeiten, Reformer Pilates auszuprobieren. Die Angebote unterscheiden sich in Studiogröße, Kurskonzept und zusätzlichem Trainingsprogramm.
Glasshouse in Solingen
Das Glasshouse hat sich auf Reformer Pilates spezialisiert und bietet Training in kleinen Gruppen an. Laut eigener Website handelt es sich um das erste reine Reformer-Pilates-Studio in Solingen.
Weitere Informationen:
https://www.glasshouse10.de/
Pilatesfabrik in Bergisch Gladbach
Die Pilatesfabrik in Bergisch Gladbach bietet Matten- und Reformer-Pilates an. Zum Programm gehören außerdem Einführungsworkshops für das Training auf dem Gerät.
Adresse: Schlodderdicher Weg 44, 51469 Bergisch Gladbach
Weitere Informationen:
https://www.pilatesfabrik.de/
Studio Blau in Wuppertal
Im Studio Blau in Wuppertal gehören Reformer Pilates, Matten-Pilates und Yoga zum Kursangebot. Die Reformer-Einheiten dauern nach Angaben des Studios 50 Minuten.
Adresse: Friedrich-Ebert-Straße 34, 42103 Wuppertal
Weitere Informationen:
https://www.studioblau-pilates.de/
Pilates by Gülsel in Leverkusen
Pilates by Gülsel bietet in Leverkusen Reformer Pilates im Einzeltraining und in Gruppenstunden an.
Weitere Informationen:
https://www.pilates-by-gulsel.com/
Hinweis: Die genannten Studios stellen eine unverbindliche redaktionelle Auswahl dar. Sie wurden anhand ihrer öffentlich zugänglichen Angebote zusammengestellt und sind weder vollständig noch als persönliche Empfehlung oder Qualitätsbewertung zu verstehen. Kurspläne, Preise und Verfügbarkeiten können sich ändern. Aktuelle Informationen erhalten Interessierte direkt bei den jeweiligen Anbietern.
Was vor der ersten Stunde wichtig ist
Wer Reformer Pilates ausprobieren möchte, sollte vor der Buchung auf das Kurslevel achten. Einige Studios bieten spezielle Einführungsstunden oder Workshops an, andere kennzeichnen ihre Kurse nach Vorkenntnissen.
Auch die Gruppengröße kann eine Rolle spielen. Gerade in der ersten Stunde erleichtert eine persönliche Anleitung den Umgang mit Federn, Schlitten und Schlaufen.
Die benötigte Kleidung unterscheidet sich kaum von anderen Pilates- oder Fitnesskursen. Körpernahe, bequeme Sportkleidung erleichtert die Bewegung und ermöglicht der Kursleitung einen besseren Blick auf die Ausführung. Einige Studios empfehlen oder verlangen rutschfeste Socken.
Ein altes Trainingsgerät im Mittelpunkt eines neuen Fitnessbooms
Der aktuelle Erfolg von Reformer Pilates ist ein interessantes Beispiel dafür, wie eine seit Langem etablierte Trainingsmethode plötzlich ein neues Publikum erreicht. Das Gerät selbst hat sich dabei weit weniger verändert als sein Umfeld: Heute stehen Reformer in modern gestalteten Studios, Kurse lassen sich per App buchen und Millionen von Menschen sehen die Übungen in sozialen Netzwerken.
