Veröffentlicht am: Februar 7, 2021 Autor: Dirk Wüstenhagen Kommentare: 0

Corona-Schutzimpfung: Chaos bei Terminbuchung: Landesweite Hotline ständig besetzt, Zugriff auf Website nicht möglich / Aus dem Städtedreieck: Zweite Impfung in Remscheider Alten- und Pflegeheimen abgeschlossen / Inzidenzen: Städtedreieck und Kreise verzeichnen leichten Rückgang / Situation wegen Mutanten dennoch weiter angespannt

Marius S. wird jetzt noch stinksauer, wenn er an den Montag vergangener Woche denkt. Da wollte der42-jährige für seine noch zu Hause lebenden Eltern, 83 und 84 Jahre alt, die jeweils nacheinander folgenden zwei Termine für die Corona-Schutzimpfung im Impfzentrum seiner Kommune buchen. Frei nach dem Motto: „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ wählte er kurz nach 8 Uhr die von der, von der Landesregierung mit der Organisation und Abwicklung der Corona-Schutzimpfung beauftragten Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein eigens für die Terminbuchung landesweit geschaltete Service-Nummer: 0800-116117. Seine freudige Erwartung wurde jedoch jäh gebremst, statt einer Stimme war in der Leitung lediglich das Besetztzeichen zu vernehmen. Im Zehnminutentakt hat er es immer wieder probiert. Ohne Erfolg. Auch im Internet ist nichts zu machen. Die Website unter www.116117.de lässt sich auch nach Stunden nicht öffnen. „Den ganzen Vormittag habe ich mir damit um die Ohren geschlagen, ohne Resultat“, schimpft er.

KV Nordrhein: Hotline und Server nach kürzester Zeit „out of order“

Gelungen geht anders! Der 42-jährige ist nicht der Einzige gewesen, der an diesem Vormittag vergeblich versucht hat, über die Service-Nummer oder online, über das Portal, die Impftermine für seine Angehörigen zu organisieren. In ganz NRW und auch im Bergischen haben Menschen über Stunden vergeblich die Hotline angewählt oder im Internet die Website aufgerufen. In beiden Fällen gab es kein Durchkommen; am Telefon erklang das Besetztzeichen oder – für den Fall, dass die erste Hürde doch überwunden worden ist – nach dem Freizeichen eine freundliche Operatorstimme, die zunächst verkündet hat, dass die Leitung überlastet ist und dann, dass alle Impfdosen und somit alle Termine(wohl für die erste Runde) vergeben seien. Im Netz ist spätestens bei der Registrierung Feierabend gewesen, wenn sich die Website überhaupt hat anwählen lassen. Die Gründe für die Panne: Wegen der Überlastung durch die Massen an Anfragen und Zugriffen haben sich – wie von der Landesregierung und der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein verlautbart worden ist – Hotline und Server unmittelbar nach dem Freischalten verabschiedet.

Laumann: Probleme am Starttag erwartbar

Eine kapitale und peinliche Panne? – Mitnichten, sagt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann(CDU) tags drauf (am Dienstag) in einer Pressemitteilung. Demnach ist laut Laumann der holprige Startbei der Terminvergabe erwartbar gewesen; selbst das beste System hätte dem massenhaften Ansturman Anrufen und Zugriffsversuchen, wie dieser am Montag sich ab 8 Uhr ereignet gehabt hat, nichtstandgehalten; dass es bei solch einer Aktion am Telefon mit dem Durchkommen etwas länger dauere,sei nichts ungewöhnliches; gleiches gelte für das Online-Portal, so der Minister, der empfahl, beinächsten Versuch sih vielleicht etwas mehr in Geduld zu üben.

Andererseits zeigte der Minister für die Verärgerung und den Frust sowie die Sorgen und die Verunsicherung bei vielen Bürgern durchaus Verständnis. Übrigens: Rund 50.000 NRW-Bürger haben Glück gehabt und laut Kassenärztlicher Vereinigung Nordrhein vor dem Fallout von Hotline und Website ihre Impftermine vereinbaren und buchen können.

Verärgerung auch bei Kommunen und Gemeinden

Doch nicht nur Bürger waren sauer auf das Land; auch Kommunen, Kreise und Gemeinden sind durch den Ausfall der Technik in Mitleidenschaft gezogen worden, sind sie doch von zahllosen verärgerten und genervten Bürgern angerufen worden. Auch in den Rat- und Kreishäusern sowie Gemeindeämtern im Bergischen haben die Telefondrähte buchstäblich geglüht, wobei die Verwaltungsmitarbeiter die sprichwörtliche Packung abbekommen haben, obwohl Städte und Kreise in Sachen Corona-Schutzimpfung gar nicht „Herr des Verfahrens“ sind, sondern die Landesregierung sowie die von ihr beauftragte Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein. Und die haben in der Sichtweise der bergischen Verwaltungsspitzen komplett und auf ganzer Linie die Sache in den Sand gesetzt.

So hat Remscheids Oberbürgermeister Burghard Mast-Weisz (SPD) in einer städtischen Pressemitteilung der Landesregierung in Düsseldorf vorgehalten, so nicht mit älteren und alten Menschen umgehen zu können. Sein Amtskollege aus der Nachbarstadt Solingen, Tim Kurzbach, ist in seiner Presseverlautbarung noch einen Schritt weiter gegangen, indem er festgestellt hat, dass die von Bundes- und Landespolitik vollmundig als das Allheilmittel gegen die Pandemie angekündigte Corona-Schutzimpfung mehr und mehr zum Trauerspiel geraten und der Fehlstart der Terminbuchung sich nach dem peinlichen Streit über die Fehler bei der Impfstoffbestellung sowie den von der Landesregierung angesichts mangelnden Impfstoffs verfügten Impfstopp für Kliniken- und Krankenhaus-Personal nahtlos ins Bild eines organisatorischen Tohuwabohu einfüge. Sowohl Mast-Weisz als auch Kurzbach appellierten an ihre Bürger, sich davon nicht entmutigen zu lassen, es weiterzuprobieren und die Impfangebote, wenn sie denn kämen, auf jeden Fall wahrzunehmen. Hotline und Website für die Buchung der Impftermine stehen Presseverlautbarungen zufolge seit Donnerstag wieder zur Verfügung

Remscheid: Alten- und Pflegeheim durchgeimpft

Positiv ist zu vermelden gewesen ist, dass in Remscheid offensichtlich in allen Alten- und Pflegeheimen im Stadtgebiet sowohl die Erst- als auch die Zweitimpfung von Bewohnern und Pflegepersonal in der vergangenen Woche abgeschlossen werden konnten. Wie es heißt, sind bei allen Geimpften keine nennenswerten Nebenwirkungen aufgetreten.

Impfzentren

Das Impfzentrum in Remscheid ist in der Sporthalle West, Wallburgstraße 27, im Remscheider StadtteilReinshagen untergebracht. Parkplätze befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Sporthalle.

Das Impfzentrum in Solingen befindet sich im alten Gebäude von Galeria Kaufhof, Hauptstraße 75 – 77.Parkmöglichkeiten bieten die umliegenden Parkhäuser.

In Wuppertal hat das Impfzentrum auf dem Campus der Bergischen Universität, Campus Freudenberg,Rainer-Gruenter-Straße die sprichwörtlichen Zelte aufgeschlagen.

Der Oberbergische Kreis hat das Impfzentrum in Gummersbach, im Einkaufszentrum Bergischer Hof, 1.Etage, Brückenstraße 1, eingerichtet. Parkplätze sind in ausreichendem Maße vorhanden.

Im Rheinisch-Bergischen Kreis befindet sich das Impfzentrum in Bergisch Gladbach, in der Rhein-Berg-Galerie, Hauptstraße 131. Auch hier sind Parkplätze vorhanden.

Kommentar